Maximin Grünhaus/ Der Grüneberg und seine Lagen

Maximin Grünhaus/ Der Grüneberg und seine Lagen

Maximin Grünhaus/ Der Grüneberg und seine Lagen

Der Grüneberg in Mertesdorf wird lediglich vom Weingut Maximin Grünhaus bewirtschaftet. Urpsrünglich war das heutige Gut ein Kloster, welches den Namen St. Maximin trug. Seine drei Einzellagen sind in den folgenden Abschnitten kurz vorgestellt.

Der Bruderberg ist die kleinste und kälteste Lage auf dem Grüneberg. Er umfasst lediglich 1 Hektar und ist nach den Mönchen (Brüdern) benannt, für welche die Weine aus dem Teil des Berges bestimmt waren. Da das Klima vor einigen Jahrhunderten viel kälter war als heute, wurden die Trauben damals fast nie richtig reif. Es entstanden also eher säuerliche, halbvergorene Weine, die dann die Brüder trinken durften. Um einmal ein Bild davon zu bekommen, welche Rationen einem Mönch vorbehalten waren: “Bis ins 16. Jahrhundert hinein blieb hingegen die Weinration unverändert, mit ca. 1,3 Litern pro Tag und Person.

(Wirtschat- und Rechnungsbücher des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Gudrun Gleba & Niels Petersen, 2015, S.249)

Der Herrenberg ist mit 19 Hektar die größte Lage des Weinguts. Zu dieser Lage gibt es eine meiner Lieblingsgeschichten (welche ich natürlich auch nie versäume zu erzählen). Denn 4 Hektar Rebfläche gehörten einst der Familie Marx- mit deren bekanntestem Sprössling- Karl Marx. Was ich ebenfalls jedem erzähle, der mir gerade ein offenes Ohr schenkt, ist, dass Emmerich Grach die Geburtsurkunde von Karl Marx unterschrieb. Herr Grach war damals stellvertretender Bürgermeister der Stadt Trier und heute ist sein Ururururenkel bekannt für die Fernsehsendung “Wer wird Millionär”- Günther Jauch.

(Warum Wein für Karl Marx eine große Rolle spielte, Welt, 20.3.2018)

Erklärung “Säkularisation“: Im engeren Sinne bedeutet Säkularisation die Enteignung von kirchlicher Institutionen durch ein staatliche Instanz. Angewandt wird der Begriff meist im Zusammenhang mit Napoleon. Um seine Kriege zu finanzieren, privatisierte er geistliche Einrichtung. Zumeist verkaufte er Weingüter an den Höchstbietenden, um die Kriegskassen zu füllen. Da damals die meisten Weingüter aus Abteien und Klöstern entsprungen sind, war das ein ziemlich lukratives Geschäft.

Zurück zum Thema: Die Familie Marx erwarb das Weingut Maximin Grünhaus als Folge der napoleonische Säkularisation. Heinrich Marx (Karls Vater) sah das Gut wohl als Investition. Und in der Tat, Moselweine galten im 19. Jahrhundert und bis ins 20. Jahrundertnoch noch als die teuersten Weine der Welt. Außerdem galt es als schick, ein paar Hektar Rebflächen zu besitzen. Als Heinrich Marx 1838 verstarb, blieb das Gut natürlich noch in Familienbseitz. Karl Marx lebte nun mittlerweile in London, wo er sein Buch “Das Kapital” verfasste. Finanziell ging es ihm wohl aber nie so gut, weshalb er die letzten 5 Fuder seines Herrenberg-Weines schließlich verkaufen musste. Damit ging das Kapitel “Marx” auf dem Weingut Grünhaus dann zuende.

Geblieben ist die Ansicht, dass Moselweine seine Auffassung von Wirtschaftssystemen maßgeblich beeinflusst habe. Durch die Weinbaukrise in den 1830er Jahren, soll Karl Marx seine ersten kommunistischen Ideen gefasst haben.

Zwischen Herrenberg und Bruderberg liegt die prestigeträchtigste Lage des Guts. Der Abtsberg umfasst 14 Hektar und ist von blauem Devonschiefer durchzogen. Mit 75% Neigung, geht es steil bergab. Es ist unmöglich diese Neigung mit Maschinen zu bewirtschaften und so müssen alle Trauben mit der Hand gepflückt werden. Das ist aber auch in den anderen beiden Lagen der Fall. Seit dem 70er Jahren wird auf dem Abtsberg, neben Riesling, auch 1 Hektar Pinot Noir angebaut.

Danke für die tollen Bilder, Dominic Heidl.

Stay Thirsty,

Jacques

About Jacques Pieper

Jahrgang 1993
Mission Empfehlen, Begeistern, Miteinander Genießen
Vorlieben Rot, Rosé, Weiß, Orange- Hauptsache Qualität
Reifung WSET 2, International Management (Master of Science) Syddansk Universitet & University of Flensburg

Kurz zu mir Jacques?! Mit dem Namen war der Weingenuss eigentlich schon vorprogrammiert. Und doch hat es mich erst in den Norden gezogen, um dort Wirtschaft zu studieren. Das habe ich jedoch geschickt mit meinem Lieblingsthema kombiniert. Für Thesen und Facharbeiten suchte ich ständig nach Möglichkeiten, wirtschaftliche Aspekte und das Thema “Wein zu vereinen”. Schließlich habe ich auch meine Masterarbeit über Innovation in der Weinbranche geschrieben. 2015 verbrachte ich 1 Auslandssemester in Lyon und dort habe ich dann endgültig meine Leidenschaft zu Gastronomie, Qualität und Weinen gefunden.
Jetzt habe ich STOR’WINE gegründet und möchte Euch mit dieser Leidenschaft anstecken.

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